|
Schafwollverarbeitung |
|||||||||||
|
Neuer Anlauf für
ein altes Naturprodukt |
|||||||||||
![]() |
|||||||||||
![]() |
Für die Nutzung der steilsten Wiesen und Weiden in den Berggebieten eignen sich Schafe am besten. Doch die Wolle dieser Tiere muss verarbeitet werden und dafür fehlt es je länger je mehr an Einrichtungen. | ||||||||||
| Schafwolle tonnenweise als Kehricht verbrennen, weil das Wollhandwerk in der Schweiz ausstirbt!? Mit diesem Gedanken kann und will sich Elsbeth Arnold, Bäuerin auf einem Bergheimbetrieb im Schächental, nicht abfinden. Ein ökologischer Unsinn! Eine unglaubliche Verschwendung wäre das. Was machte es für einen Sinn hier auf tausend Metern, an den steilen Wiesenhängen der Natur mit grossem Aufwand Produkte aus der Land- und Forstwirtschaft abzuringen, wenn wertvolle Erzeugnisse zu Abfall werden. Als engagierte Beraterin in Nähhandwerk erkannte sie, dass bei der Schafwollverarbeitung ein Notstand droht. Know-how und Verarbeitungseinrichtungen im Wollhandwerk könnten rasch und unwiederbringlich verloren gehen. | |||||||||||
![]() |
|||||||||||
| Bild links zeigt die Kardmaschine | |||||||||||
|
Pionierleistungen sind nötig Schweizer Schafwolle kämpft mit vielen
Problemen gleichzeitig. Die Konkurrenz durch synthetische Textilien ist
schon ein altes Thema, hinzu kommt das stark schwankende Angebot an Baum-
und Schurwolle am Weltmarkt. Unter diesen schwierigen Bedingungen gelang
es der Inlandwollzentrale auch mit Bundesunterstützung in den letzten
Jahren nicht, das Sammeln, Sortieren und die Massenverwertung der Wolle
profitabel zu organisieren. Der Preisniedergang beim Rohstoff war extrem,
das Interesse der Abnehmer schrumpfte. Der Wollpreis deckt nicht einmal
mehr die Kosten der Schur. Schafhaltung wird einseitig zur Fleischproduktion.
Nun streicht der Bund die letzten Subventionen in der Wollverwertung und
es wird offensichtlich, dass sich eine Lücke auftut in der Verarbeitung
von Schurwolle. Für das Waschen der Wolle gibt es in ganz Westeuropa
nur noch zwei industrielle Anlagen, eine in Belgien und eine in Österreich.
Kardmaschinen zum reissen der Wolle stehen noch vier oder fünf in
der Schweiz. Jetzt sind Pionierleistungen gefragt. Eine der grössten
Kardmaschinen in unserem Land hat Elsbeth Arnold zusammen mit Freunden
und Helferinnen im letzten Moment vor der Zerstörung gerettet. |
|||||||||||
![]() |
![]() |
||||||||||
| Nach der Installation das Marketing Die ersten Kundenaufträge werden schon ausgeführt. An einem Besuchstag stellten Elsbeth Arnold und das Frauenteam der Urner Wollkarderei das "Ungetüm" der Öffentlichkeit vor. Die alte Maschine hat viele Besucher angelockt. Die hundertjährige Technologie, die in diesem System von Walzen mit unterschiedlichen Oberflächen steckt, ist erstaunlich. Vorne wird Rohwolle eingeschüttet und nach dem Durchlauf durch das Walzensystem bildet sich auf der letzten Rolle ein weiches Vlies. Dieses kann nach unterschiedlicher Dicke und Gewicht abgetrennt werden. Wenn Elsbeth Arnold den Elektromotor in Gang setzt, an den Handkurbeln die Feineinstellung reguliert und die Produktion unter Dröhnen und Vibrieren anläuft, verstellt man, was sie und die zahlreichen Helferinnen und Helfer motivierte, Tage und Wochen für dieses Projekt zu opfern. Die Maschine leistet Arbeit, die man von Aufwand leisten kann. Für die Initiantinnen der Urner Wollkarderei geht es nach der Installationsphase in einem zweiten Schritt darum, für eine rentable Auslastung der Maschine zu sorgen. Marketing ist nun das wichtigste. Eine Produktpalette braucht es, die zu guten Preisen verkauft werden kann. Schon recht bekannt sind die Schafwollduvets, welche die Urner Bäuerinnen von Hand nähen. Wollvliese von zwei qualitativen Biobaumwollüberzüge eingenäht. Dank den Vorzügen der Schafwolle sorgen diese Duvets für angenehme Wärme im Winter und gleichen im Sommer Feuchtigkeit aus, so dass man nicht schwitzt. Dazu gibt es Kissen und Bettunterlagen. Eine zweite Produktelinie bildet ein Sortiment von Artikeln aus Filzstoff. Modisch kecke Damenhüte, lustige Spieltiere oder praktische Sitzkissen für die Wandertour | |||||||||||
![]() |
|||||||||||
| Auszug aus der Zeitschrift Ökologe Nr.2 Mai 2001 | |||||||||||